Texts about Becker Schmitz

It is no easy task to describe the extremely heterogeneous work of Becker Schmitz in a few brief sentences. First of all, it is not possible to say clearly whether the work of the German-based artist is to be classified as “painting”, “installation” or “site-specific intervention”. He takes great pleasure in hopping from one genre to the next and refuses all one-dimensional, constricting categorizations. Nevertheless, the various components of his protean oeuvre are all charged with the same energy, with the same striking readiness to expand with force into three-dimensional space.

When he paints, Becker Schmitz creates hallucinatory pictures full of spectral beauty, pictures with venomously garish colours in front of bleak and gloomy backgrounds, pictures with weighty materiality and an almost sculptural texture, pictures whose archetypical motifs (house, tree, horse) oscillate in a precarious balance between a pure experience of painting and narratives full of atmosphere. It is at all times uncertain whether the motifs emerge out of the painting surface or, on the contrary, whether they are themselves bearers of surface effects. When he works with sculptural means, Becker Schmitz treats the respective space in a way that is highly particular. With the simplest of materials – found wooden batons, adhesive tape – he builds dynamic structures, which he wedges between the walls and ceilings, or he fills the exhibition space with inflatable, cumbersome modules, which force the viewer to rethink classical spatial perception.

His minimal or obsessive interventions make use of an invasive strategy, which underscores the characteristics of the space and – because they are so obtrusive – simultaneously causes these to disappear altogether.

(Text by Emmanuel Mir | Translation by Gerard Goodrow)


“Look at the pictures. Now!” – “And?”

Classical music in the background. A car drives along a street in the forest. It rains. A view onto the car from above. Power lines along the road. A couple sits in the car. He drives. Dark hair, black glasses. Mid 30s. Black leather jacket. She laughs. Sunglasses in her short blond hair. A house in the forest. In the next scene, two young men row across the lake. View onto the house. A light can be seen. Light, much too light and much too colourful for this scene.

In another film, four men sit in a house. In the middle of the forest, where they have to hide out for a while. One of them, around 40 years old, sits in an armchair and reads a poem out loud:

From the childhood of long dark nights
small lights flare up once again, very gently.
Like traces of memory,
they force themselves into your frozen heart.
One of these you let come close;
that it might understand you, you never believed,
for you have dedicated your life to the glow of the lights, and no one is there to free you from this …

Since the entire Danish Mafia is searching for these men, they decide to stay inside the house. The refurbish it and make themselves comfortable.

(Text by Claudia Thümler | Translation Gerard Goodrow)


Zu den Landschaftsbildern von Becker Schmitz

Eine primäre Motivgruppe von Becker Schmitz konzentriert sich auf das Thema der Landschaft. Es sind Meereslandschaften, Seen, Flussläufe und Wasserfälle, die der Künstler mit Ölfarbe auf Leinwände in Szene setzt. Zumeist sind es Nachtszenerien. Eine Atmosphäre von Melancholie und Verlassenheit herrscht in ihnen vor. In „Quiet Riot“ (2012) fällt der Blick des Betrachters durch eine Staffage von Bäumen im Bildvordergrund auf eine unendliche Wasserfläche. Die geisterhaft aus dem Wasser ragenden Bäume, deren Stümpfe von einem unbestimmbaren smaragdgrünen Licht aus der Tiefe des Malgrundes erhellt werden, geben die Ansicht auf eine weite Wasserlandschaft frei. Aus dem diffusen Dunkel der Nacht und den alles einnehmenden Wassermassen ragt einzig ein karges Felseiland aus der Flut. Ein Zufluchtsort, ein Küstenstreifen dessen Umrisse verschwimmen. Die Nacht hüllt die nur angedeutete Szenerie in ein sphärisches Licht, das alles fremd und unwirklich erscheinen lässt. Der fantastisch-spannungsvolle Aspekt dieses Motivs wird noch durch Effekte – wie strahlende Lichtpunkte und energetische Lichtspuren, die sich durch das Bild ziehen – erhöht. Diese irritierend fremdartigen Phänomene steigern die Szenerie ins Unwirkliche, Utopische und Visionäre.

Die gleiche hochverdichtete Atmosphäre findet sich auch in dem großformatigen Ölbild „Den Elementen zum Trotz (2013)“. Becker Schmitz erreicht die besondere Wirkung seiner Bilder durch einen komplexen Malprozess mit sich überlagernden und fein abgestimmten Schichten von Farbe unterschiedlicher Dichte, mal lasierend oder auch pastos – zumal wenn er seine Bilder mit Farbschlieren und -tropfen anreichert. Auch in „Den Elementen zum Trotz“ erscheint der im Dunkel liegende Bildraum einsam und menschenleer. Der Horizont ist gegen den oberen Bildrand verschoben, so dass die Raumerstreckung grenzenlos erscheint. Inmitten unendlicher Wassermassen ragt eine Fischerhütte aus der Flut, deren Silhouette in die Wasserfläche hineinspiegelt. Der Ort wirkt abgeschieden. Das Haus scheint unbewohnt. Der ruhige, fantastisch-romantische Aspekt dieses Bildes wird noch verstärkt durch das geheimnisvoll pulsierende Himmelsgestirn in der oberen Bildhälfte, dessen strahlend helles Licht sich in der Flut widerspiegelt und durch die bogenförmige Reflektion eines gewaltigen Planeten oder Mondes am Himmel am rechten Bildrand.

Das Motiv des Hauses inmitten einer Naturlandschaft wiederholt Becker Schmitz auch in dem Gemälde „Stratosphäre (2015)“. Hier in dieser Nachtlandschaft ist das Haus, wie zuvor in „Quiet Riot“ das eigentlich zentrale Motiv. Hier aber sind Kosmos und Welt, ganz anders als in der ruhigen Szenerie von „Quiet Riot“, in Aufruhr. Am Firmament unterstreichen bizarrste Konstellationen kosmischer Eruptionen und Energien, die Turbulenzen der Naturgewalten, denen das auf den Wellenkronen tanzende Haus, Urbild für Existenz und Heimat, ausgesetzt ist. Hier in diesem Bild vielleicht am eindeutigsten, lassen sich Analogien nicht nur zum biblischen Thema der Apokalypse (Arche Noah), sondern auch zu den brisanten Themen unserer unsicheren Gegenwart ziehen.

Ist alles was wir in den Bildern des Künstlers sehen Realität oder Traum und Illusion? Führt uns Becker Schmitz in seinen tiefgründigen Bildern an die Ursprünge einer verlorenen Zeit zurück – in Urwelten sogar? Oder spiegeln seine Bilder die Verbundenheit des Menschen mit der Natur, dem Wasser und dem Universum als Lebenselemente wieder? Alles bleibt in diesen Bildern in der Schwebe. Das uns eigentlich vertraute, beginnt uns fremd zu werden. Und doch sind da viele Eindrücke die Rückschlüsse ermöglichen, die zurückführen in die Wirklichkeit. Ein Landstrich im tosenden Meer als Zuflucht, ein Haus im Chaos der Naturgewalten als Symbol für Heimat, Identität und Sicherheit. Aber auch die Landschaft als Rückzugs- und Ruheraum. Becker Schmitz Bilder sind Ausdruck eines Welt- und Bewusstseinszustandes. Seine Bildsujets und -metaphern sind (auch) ein Ausdruck für die Unsicherheit, für die Ängste und für die Bedrohung des Menschen in von Krisen und gesellschaftlichen Verwerfungen geschüttelten Epochen. Doch bei all dem sind in diese Bilder auch romantische und zutiefst lebensbejahende Grundstimmungen eingeflossen. Ja, die Welt die Becker Schmitz in seinen Bildern reflektiert ist radikal und beängstigend und Desaster und Idylle liegen dicht beieinander. Aber die Welt ist auch fantastisch und verführerisch schön und niemals ohne Hoffnung auf Veränderung!

André Lindhorst, 2016, © Köppe Contemporary